Wir verlassen das erstaunlich coole Patras. Der Crew verlangt es nach Bademöglichkeiten. Also fahren wir zur nächsten Stadt, die eine Bucht hat und ankern. Die Stadt hat wenig mit Tourismus am Hut, entsprechend entspannt geht es zu. Die Kinder genießen das Baden. Wir lassen hier die Seele ein paar Tage baumeln und ich begehe einer große Eselei. Joni erkundet eine griechische Stadt Juli springt mutig in die Fluten Unser Außenborder performt seit den Bermudas nicht mehr so richtig. Das bringt in mir eine ganz ehrgeizige Saite zum klingen. Also schraube ich den Vergaser raus, reinige ihn gründlich und stelle ihn neu ein. Dann optimiere ich noch hier und da herum. Und tatsächlich: unser treuer Quirl spring prompt an und fährt wieder wie in den guten alten Zeiten. Mein technisches Selbstbewusstsein steigt ins Unermessliche. Wir hatten auf der Atlantiküberquerung auf den Bermudas einen alten Außenborder im Schrott gefunden und um den besseren und schnelleren Propeller erleichtert. Auf den Bermudas wollte unser Außenborder aber nicht so recht mit der neuen, schnellen Schraube drehen. Dank meines neuen Selbstbewusstsein, schraube ich – wild entschlossen – den neuen Prop wieder dran. Im meinem Eifer sichere ich die Schraube nur lauwarm („nur mal kurz ausprobieren. Dann kommt der alte Prop eh wieder dran“). Das Ende vom Lied: Ich sitze im Beiboot gebe Gas und Huiiiiiii ist der Prop samt Mutter und Abstandsscheibe im trüben, 10m tiefen Wasser weg.Klasse. Jetzt haben wir keinen AB für absehbare Zeit mehr. Alle Läden in Griechenland haben die nächsten 3 Wochen zu („Sommerpause“), die so was haben könnten. Und die Abstandsscheibe kostet auch nur 54 Eur. Na dann.Row, row the boat ist jetzt wohl mein neues Thema. Einkaufen mit Kajak
Erste Reise
In Toulon auf Wildkatzen Expedition
Seit zwei Tagen liegen wir im Hafen von Toulon. Der nächste Mistral wird ab morgen kräftig wehen. Wir haben die Zeit davor genutzt, um schon mal nach Frankreich zu segeln. Jetzt liegen wir sicher vertäut im Hafen und hoffen dennoch, dass der nächste Mistral etwas weniger Wind bringt als der Letzte. Der riesige Hafen von Toulon. Wir liegen ganz links in der Nähe der weiß-gelben Fähre. Toulon hat einen riesigen Hafen und ist der wichtigste Hafen der französischen Marine. Wir kommen Nachts an und brauchen fast eine Stunde bis wir durch den ganzen Hafen geschippert sind und am richtigen Platz festgemacht haben. Sehr zur Freude von Felix liegt schräg gegenüber ein Kriegsschiff auf dem fleißig gearbeitet wird. Da gibt es immer was zu entdecken und zu beobachten.Heute sind wir mit der Seilbahn auf den Mont Faron gefahren, einen der Hausberge Toulons. Neben dem sehr schönen Blick auf die Stadt und den Hafen ist auf dem Berg auch eine große Wildkatzen Aufzuchtsstation bzw. ein Zoo für Wildkatzen. Von der Seilbahn aus geht es eine halbe Stunde durch duftende Nadelwälder bis wir den Zoo erreichen. Schon hier gibt es eine Menge zu entdecken: Blumen, Zapfen, Tausendfüßler und sonstige Insekten und auch der starke Geruch nach Nadelwald ist etwas für unsere Sinne. Felix schnüffelt an Zapfen. Im Zoo gefällt dann den Kindern am besten das eine Gehege mit den Affen… Ja richtig, es gibt in dem Wildkatzen Zoo außer Wildkatzen noch ein Affengehege und ein paar Erdhörnchen und Wölfe. Die Wildkatzen lassen sich alle die warme Sonne auf die Bäuche scheinen. Es ist also nicht viel los in den Gehegen. Die Affen hingegen spielen fangen und jagen wild kreischend und turnend vor uns auf und ab. Beim Bäcker bekommen die Kinder einen Lolli geschenkt, der grüne Zungen macht. Auf jeden Fall auch ein Highlight des Tages. Wir beenden den Tag mit frischem Baguette und französischen Käsen und Pasteten. So kann man es wirklich gut aushalten.
Von der Dritten in die erste Welt
Heute haben wir Dominica in den frühen Morgenstunden Richtung Les Saints verlassen. Die letzten Tage auf Dominica haben uns sehr gut gefallen und uns gleichzeitig auch tief berührt. Schon bei der Einfahrt in die Bucht wurde sehr deutlich wie stark der Hurrikan „Maria“ die Insel getroffen hat. Nun sind die ersten Bilder, die wir bei der Einfahrt in die Bucht gesehen hatten, für uns auch mit persönlichen Geschichten und weiteren Eindrücken verbunden, die uns sehr beeindruckt haben.Die ersten beiden Tage nach unserer Ankunft bleiben wir in der Bucht und dem angrenzenden Ort. Wir werden häufig angesprochen und von Wildfremden auf der Insel willkommen geheißen. Es ist nicht aufdringlich, sondern die Freude und Erleichterung, dass langsam wieder Touristen kommen, ist zu spüren. Früher waren wohl nahezu 100 Boote in der Bucht. Die letzten Tage waren es ein bis zwei Handvoll. Die meisten Boote bleiben derzeit nur eine Nacht, da auch noch nicht alle Sehenswürdigkeiten wieder zugänglich sind. Die letzten zwei Tage haben wir uns dann mit dem Bus auf den Weg gemacht die Insel zu erkunden. Schon die Fahrten an sich waren ein kleines Abenteuer. Zu Fünft mit Gepäck auf zwei Sitzen rasen wir in vollbeladenen, mit lauter Musik dröhnenden Kleinbussen über die Insel. Die Leute freuen sich und so kommen wir mit vielen Einheimischen ins Gespräch. Wir erfahren von einigen Leuten, wie sie den Hurrikan überlebt haben: Zusammengekauert unter Treppen, stundenlang kauernd, weil rundherum alles fliegt oder im Keller voller Angst, ob die Mauern halten. Die Geräusche rundherum gleichen wohl einer Horde kreischender Kinder. Einigen kommen die Tränen beim Erzählen. Allen ist das Trauma anzumerken. Wir sind zutiefst gerührt. Die Marktfrauen erzählen, dass es bis auf weiteres nur Gemüse gibt. Gemüse wächst schnell, Obstbäume und Palmen sind alle zerstört. So rechnen sie erst in einem halben Jahr wieder mit Bananen; Mangos sind die nächsten Jahre wohl nicht mehr verfügbar. Und dennoch sind die Leute sehr freundlich und strahlen Optimismus aus. Es ist auch an allen Ecken zu sehen wie fleißig am Wiederaufbau der Insel gearbeitet wird. Wir drücken die Daumen, dass Dominica von weiteren schweren Hurricanes verschont bleibt und sich Menschen und Natur von der letzten Saison bald erholen.Ein Video unserer Eindrücke ist bald online.Auf den Le Saints, auf denen wir heute angekommen sind, nur ein paar Meilen nördlich ist nichts mehr zu sehen. Alle Läden haben offen. Der Tourismus brummt. Die Les Saints gehören zu Frankreich und damit steht auch eine ganz andere Organisation und andere Mittel dahinter.
Video: die Überfahrt von Martinique nach Dominica
Während der Überfahrt war mir bissl langweilig (alle haben geschlafen) also habe ich Zwiesprache mit der Kamera gehalten. Hier das Ergebnis meines leicht übermüdeten Selbstinterviews.
Weihnachten in der Karibik
Schon auf der Atlantiküberquerung bemühen wir uns um etwas weihnachtliche Stimmung. Wir haben einen Adventskranz, Weihnachtssterne gebastelt, Wunschzettel geschrieben und sogar der Nikolaus bringt einen roten Stiefel bei uns vorbei. Für das richtige Weihnachtsgefühl fehlt dann aber doch ein bisschen die Beleuchtung, die Christkindlmärkte, die Familie und der Glühwein. Wir freuen uns daher sehr, dass unsere Freunde von der Herz aus Gold Weihnachten zu uns in die Bucht kommen, damit wir zusammen feiern können. Wir haben aus Deutschland eine Plastiktanne (würde uns ja zu Hause nicht in die Wohnung kommen) mitgebracht und stellen sie bei uns im Salon auf. Am heiligen Abend grillen wir und haben mit 7 Kindern und 4 Erwachsenen einen superschönen und turbulenten Abend bei uns an Bord. Die Steigerung kommt dann am ersten Feiertag, als Freunde von einem anderen Boot mit weiteren drei Kindern dazu stoßen. So war Weihnachten auch dieses Jahr für uns ein sehr schönes Fest.
Hannes fährt im Streifenwagen durch Griechenland
Nach der Aufregung in der Straße von Messina erwartet uns bleiernde Flaute an der Südküste von Italien. Wir schmeißen mal wieder den Motor an und tuckern langsam Richtung Griechenland. Erst kurz vor den ersten griechischen Inseln fängt der Wind an richtig Gas zu geben. Wir fahren stark gerefft mit 7 Knoten durch die Düsen, die sich zwischen den Inseln bilden, hindurch. Wir fahren im Morgengrauen an unzähligen Fischerbooten entlang den Golf von Patras hoch. Nach 2 Tagen und 2 Nächten kommen wir in Patras an. Die Marina, die wir aufsuchen wollen, ist durch einen Frühlingssturm zerstört worden. Der Hafenmeister winkt schon von Weitem und schickt uns bedauernd in den Stadthafen. Hier liegen wir mitten im Hafenbecken neben Schleppern und Fähren etwas unruhig aber dafür maximal zentral. Einfahrt in den Golf von Patras Ella, die Cousine von Felix, Juli und Joni, hat sich angekündigt. Sie macht mit ihrer Familie in der Nähe Urlaub und will mit uns zusammen den Peloponnes umsegeln. Die Kids fiebern schon seit Wochen auf Ellas’ Besuch hin. Am Nachmittag steigt Ella endlich aus dem Bus aus und bei uns auf die Luna. Endlich ist Ella da Griechenland ist zwar der Teil der EU aber behält sich ein paar Extralocken für Segler vor. Wir müssen ein Crusing Permit kaufen. Alles soweit kein Problem. Ich düse um 16.00 los und frage mich bis zur Hafenpolizei durch. Dort angekommen werde ich zum neuen Hafen geschickt nur 6km weiter weg. Also schwinge ich mich auf unseren Bordtretroller und fahre zum neuen Hafen. Dort schaut mich der Hafenpolizist von uns bis oben an, wie ich verschwitzt mit Roller und Rucksack ankomme und fragt, was ich denn wohl hier von ihm möchte. Ich erkläre wortreich um was es geht. Er taut auf und führt mich zu seinen Kollegen. Dort werde ich ausgefragt, woher wir kommen und was wir hinwollen. Ich erzähle von unserer Reise, zeige Fotos von unseren blonden Kindern und erkläre, warum wir extra aus der Karibik ins Mittelmeer und speziell nach Griechenland gesegelt sind. Mittlerweile werde ich von einer Schar Küstenwächter umringt, die begeistert zuhören. Leider können mir die Jungs nicht helfen. Es wird hin und her telefoniert, was am besten zu machen sei. Nach einer halben Stunde, schüttel ich zum Abschied der halben Wache die Hände und bekomme eine Polizeieskorte zur Seite gestellt. Das erste mal im Leben sitze ich in einem Streifenwagen und werde kreuz und quer durch die Stadt gefahren. Die Beamten sind sehr nett und fragen mir wieder Löcher in den Bauch zu unserer Reise. Sie stellen mir den richtigen Beamten vor.Der erklärt mir, wie ich zu dem Crusing Permit komme. Dafür muss man auf einer griechischen Website seine Daten und die Iban eingeben. Man bekommt eine Email die man ausdruckt und zur nächsten Bank trägt. Dort zahlt man 50 Euro ein und geht mit dem Beleg wieder zu dem netten Küstenwächter. Leider haben alle Banken zu, so dass ich am nächsten Tag noch mal das Spiel von vorne starten. Als das Bezahlen am nächsten Tag erledigt ist, sitze ich nochmal 1,5 Stunde bei den Küstenwächtern bis alles kopiert, gestempelt, unterschrieben und von mir verstanden ist. Das ist definitiv das aufwändigste Verfahren, das wir bisher über uns ergehen lassen mussten. Trotzdem, war es eine lustige Erfahrung und alle waren ausgesprochen höflich und nett. Wir kaufen mal wieder ordentlich ein Nachdem wir nun legal in Griechenland sind, feiern wir unsere Ankunft in Patras Downtown mit einem griechischen Mittagessen und schlendern durch die quirlige Innenstadt. Die Kinder geben auf dem Salondach ein Konzert. Wir liegen mitten in Patras
Wir sind doch tatsächlich los gefahren
We did it! Heute gegen Mittag haben wir die Leinen gelöst und sind losgefahren. Vorher waren wir noch im Marinaoffice bei den netten Ladies und haben unsere Schulden beglichen und uns verabschiedet. Uns unter Umarmungen und Bussis von unseren Freunden verabschiedet. Dann ging alles ganz schnell: Jonathan in seine Hängematte gepackt. Julia vor’s iPad mit einem Janosch Film gesetzt und Felix durfte sich still aufs Vorschiff setzten. 3 Mal kräftig durchgeschnauft, die weichen Knie ermahnt, nicht schlapp zu machen. Kathi hat die Motoren angelassen, Gangway rein und dann alle 6 Leinen so gelöst, dass wir auf keinen unseren Nachbarn treiben und schon waren wir unterwegs. Eigentlich hätten wir unseren Aufbruch etwas zelebrieren sollen. Da hatten wir ehrlich gesagt nicht die Nerven für. Alles ziemlich unprätentiös. Hauptsache wir sind los.Als wir aus dem Hafen draußen waren, haben die Kinder ihr Heimatbuch ausgepackt. Wir haben noch zu Hause alle Verwandte gebeten, ein paar Seiten mit Fotos zu gestalten. Herausgekommen ist ein dickes Buch voller Erinnerungen und Fotos, um unsere Lieben zu Hause nicht zu vergessen.Kathi und ich haben die Segel gesetzt. Leider hat uns der Wind dann etwas im Stich gelassen. Wir haben einen Motor mitlaufen lassen und sind mit Tretrollergeschwindigkeit gemütlich Richtung Südwesten losgeschippert.Jonathan ist in der wild schaukelnden Hängematte gleich eingepennt. Auch Juli hat sich nach der ersten Aufregung unter den Tisch verzogen und hat die Augen zu gemacht. Segeln macht müde. Das Geschwanke ist anstrengender, als man so denkt. Unser Tagesziel war Águilas. Eine neu gebaute Marina, die einen Platz für unsere Luna hat.Nach 6 Stunden Motorgebrumm sind wir dann mit klopfenden Herzen eingelaufen. Meine Versuche den Hafenmeister zum Helfen einzuspannen waren gescheitert. Sein Englisch war nicht existent und mein Spanisch zu rudimentär. Egal. Kathi saß am Steuer, Julia wieder vor dem iPad geparkt und Felix interessiert fragend auf dem Verdeck. Wir sind dann rückwärts in die erste freie Lücke gefahren. Wenn niemand da ist, um die Leinen anzunehmen, ist das besonders kitzlig. Dann müssen wir ganz vorsichtig rückwärts an die Betonpier ranfahren. So nah, dass ich auf die Pier springen kann. Anstoßen mit dem Heck ist natürlich unbedingt zu vermeiden. In diesem Fall war die Pier so hoch, dass ich auch noch hochklettern musste. Hat aber erstaunlich gut geklappt. Schnell beide Heckleinen gelegt. Dann kommt das nächste Highlight: An der Pier angelt man sich eine Leine aus dem Wasser. Die geht mitten ins Hafenbecken und ist auf dem Grund mit einem Betonblock verbunden. Diese Leine gilt es dann hochzuziehen und vorne auf einer Klampe am Boot zu befestigen. Beim Hochziehen, holt man dann alles vom Hafenbeckenboden mit hoch. Muscheln, Schwämme und allerlei Pflanzen. Beim Hochziehen ist mir dann schnell aufgefallen, dass die Leine eigentlich keine Leine ist sondern ein veritables Seil. So die Dicke einer Coladose fast. Mist, wir haben die erstbeste Lücke genommen, die eigentlich für Superyachten da ist. Egal, wir wollten nur sicher anlegen. Alles weitere schauen wir dann. Als wir fertig waren, kam der Hafenmeister endlich angeradelt. Wir haben nur unschuldig „todo bien?“ gefragt und er hat todo bien! gesagt. Puh. Zeit für einen kurzen Anleger (eigentlich ein Schnaps. Bei uns meistens Saft und ein paar Cracker). Ich bin dann nach dem einklarieren mit Felix und Julia kurz zum Strand gepaddelt, wo wir schnell eine Runde geplanscht haben. Kathi hat das Essen gemacht. Dann sind wir glücklich und müde ins Bett gefallen.
Atlatiküberquerung – schönes Passatsegeln und lange Atlantikdünung?
Wir haben lange Zeit vor unserer Reise begonnen uns mit dem Thema auseinander zu setzen und viele Bücher verschiedener Segler gelesen. Alle sind sich einig: – Ist man erst einmal im Passat angekommen, so bringt einen der Passat mit konstanten Winden angenehm und stressfrei über den Atlantik. Die Tour dauert zwischen 18 und 21 Tagen. – Eine angenehme lange Atlantik-Dünung schaukelt das Boot sanft auf und ab – Auf der ganzen Überquerung begegnen einem praktisch keine Schiffe Blicken wir auf unsere Reise zurück, so trifft nichts davon auf unsere große Überfahrt zu. Am 28.11 motoren wir Mittags langsam aus der Marina raus und nehmen Kurs auf die Kap Verden. Anfangs können wir noch segeln, Abends und Nachts wird das immer mühsamer. Irgendwann ergeben wir uns der Vorhersage und motoren durch die Flaute Richtung Süden. Wir kämpfen uns 2 Tage durch diese Zone, bis wir etwas Wind finden und zunächst auch langsam voran kommen. Wind und Fahrt nehmen dann auch gut zu und wir können deutlich nördlich der Kap Verden schon etwas Richtung Westen abbiegen. So fahren wir knapp zwei Tage guter Dinge mit Kurs SW. Doch dann kommt die Schreckensnachricht. Ein riesiges Flautengebiet mitten in der Passatzone. Wir versuchen verzweifelt die Flaute im Osten zu umfahren indem wir stark Richtung Süden abbiegen. Unangenehme, kurze und steile Wellen treffen uns von der Seite und wir quälen uns einige Tage auf diesem Kurs. Das Flautengebiet haben wir inzwischen in unsere Seekarte eingetragen und mulmig betrachten wir wie wir immer näher an das Gebiet herankommen, weil Wind und Welle keinen stärkeren Süd-Kurs zulassen. So kommt es dann auch wie es kommen musste; irgendwann stecken dann auch wir in der Flaute fest. Mit ca. 3 Knoten Fahrt kämpfen wir uns mühsam Richtung Karibik und jeder von uns stellt ständig Berechnungen an wie lang wir denn wohl noch auf dem Atlantik bleiben werden. Irgendwann wird dann auch klar, dass wir Ludwigs Wunschtermin für den Heimflug nicht halten können. Die Stimmung ist diese Tage bei allen auch etwas mäßig. Wir verstehen nun auch, warum Seeleute früher größere Angst vor Flauten als vor Stürmen hatten. Irgendwann setzt der Wind dann wieder ein und bläst uns Richtung Westen. Konstant ist es allerdings bis zum Schluss nicht. Es gibt Tage mit angenehmen 15-20 Knoten Wind und dann auch wieder wenig Wind oder Tage, in denen eine Böenwalze der nächsten folgt. Das ist vor allem Nachts besonders anstrengend, da man immer gründlich nach den Wolken Ausschau hält und immer einen Zweiten wecken muss sobald wieder Reffen angesagt ist. Nach 24 Tagen erreichen wir dann erschöpft Martinique. Ich kann bis heute noch kaum glauben, dass wir es geschafft haben. Und vor allem, dass wir es ohne Probleme geschafft haben. Das wird uns erst hier bewusst im Austausch mit anderen Seglern. Viele mussten Geräte auf der Fahrt ersetzen oder reparieren, Segel nähen oder haben auch einen Mastbruch erlitten. Boote sehen wir auf unserer Überfahrt viele. Es gibt keinen Tag, an dem nicht wenigstens ein Boot auf unserem AIS zu sehen ist. Oftmals kommen die Boote auch in Sichtweite. Für einen japanischen Fischer müssen wir sogar unsere Besegelung einholen und den Motor anschmeißen, weil er munter Kurs auf uns hält und sich auch von unseren Funksprüchen nicht beeindrucken lässt. Ansonsten ist immer gut Abstand, aber der Funkkontakt zu anderen Booten ist eine angenehme Abwechslung. Eine nette schweizer Crew auf einem anderen Katamaran versucht uns auf hoher See sogar Angelhaken und Schokolade zukommen zu lassen. Sie kreuzen kurz vor unserem Boot und werfen einen schwarzen Müllsack ab. Wir schaffen leider nicht auf Anhieb den Sack zu bergen und im Handumdrehen verschwindet er in den hohen Atlantikwellen. Schade! Die beste Abwechslung ist das Angeln. Wir hatten großes Glück und viele Fische am Haken. Die Kinder hüpfen immer vor Begeisterung wenn das Geräusch der Angel zu hören ist. Einige Fische – vor allem Mahi Mahi – kommen auch zu uns in die Pfanne. Wir haben aber auch ziemlich viel Verlust zu vermelden. Ein paar Fische sind offensichlich so groß, dass sofort etwas reisst. Andere kämpfen so lange bis ein Teil des Hakens bricht oder ähnliches. Wir haben auch ein paarmal die Fische bis zur Badeleiter gezogen – das ist bei einem großen Mahi Mahi ein ordentlicher Kampf – und dann sind sie uns im letzten Moment von der Angel gesprungen. War trotzdem immer eine große Aufregung und hat Spaß gemacht. Würden wir nochmal einen Ozean überqueren? Stay tuned.. 😉
Was für ein Trip
Der Törn von Rabat nach Agadir ist der mit Abstand längste unserer Reise bisher. 330 sm oder 2 Tage und 3 Nächte. In Rabat haben wir uns wohl gefühlt. Leckeres Essen, interessante Souks, eine verschlungene Medina und freundliche Locals. Aber auch hier zieht langsam der Herbst ein. Nachts ist es schon kühler und tagsüber dauert es ein paar Stunden bis der Tau komplett weg war. Also weiter nach Süden. Die Marina hatte die Ausfahrt durch den Fluss am späten Nachmittag wieder freigegeben nachdem die Wellen etwas nachgelassen hatten. Nach dem Ausklarieren bei den freundlichen Zöllner, Grenzern und Polizisten, hat sich wieder der Lotse vor uns und einem anderem Segler gehängt. Runter den Fluss an der uns mittlerweile vertrauten Altstadt vorbei. Das letzte Mal die Gerüche einer arabischen Stadt aufgesogen und los ging’s auf den Atlantik. In der Ausfahrt stand noch ganz ordentlich Schwell und Kathi musste richtig Gas geben. Kathi gibt mit wehendem Haar Gas. Vorbei an den Wellenbrechern, an denen sich die Wellen rechts und links neben uns gebrochen haben. Draußen mussten wir uns erstmal dran gewöhnen, dass unsere Welt alle 10 Sekunden durchgeschüttelt wird. Die Crew verschwindet einer nach dem anderen mit grüner Nase in die Kojen. Dem harten Kern schickt Neptun ein ganzes Rudel Delfine vorbei, die sich über uns, die Wellen und die Gesamtsituation freut und vergnügt um uns herum hüpfen. Leider ist der Wind entgegen der Vorhersage mal wieder nicht existent also muss der Motor ran. In der ersten Nachtwache bringe ich uns auf Kurs entlang der Küste Marokkos. Bis Casablanca ist viel Verkehr und es gibt eine Menge an Schiffen zu sehen. Sorgen machen mir die sogenannten Tunny Nets. Fischernetze, die an einer kleinen Boje hängen. Bei Tag sind die Bojen, wenn man man konzentriert nach vorne stiert, mit etwas Glück rechtzeitig zu sehen. Nachts hat man eigentlich keine Chance. Immer wieder sehen wir diese Bojen – auch 20 Seemeilen vor der Küste. Ich entdecke eine neue Funktion in unserem Radar. Diese Wundermaschine warnt uns jetzt, wenn etwas uns zu nah kommt, oder Kurs auf uns nimmt. Unser elektronisches Auge sieht 24 Seemeilen weit und viel mehr als wir jemals könnten. Sehr beruhigend vor allem Nachts. Als der Tag kommt, essen wir ein leckeres Frühstück und vertreiben uns die Zeit mit Schlafen, Spielen und Angeln. Die Nacht ist sternklar und windstill. Am folgenden Morgen kommt etwas Wind auf und wir setzen endlich die Segel. Rauschend ziehen wir unter blauen Himmel dahin. Der Wind nimmt stetig zu. Am Nachmittag kommt eine schöne Welle von hinten dazu. Wir surfen jetzt die Wellen runter. So kann Segeln auch sein. So sieht unsere Angel aus. Angelschnur auf leere Flasche gewickelt. Einfach Schnur und Köder hinterherziehen. Fertig. Endlich mal was am Haken. 5kg Thunfisch Um den Tag perfekt zu machen, haben wir plötzlich einen Fisch an der Angel. Kathi zieht einen schönen 5kg Tuna rein. Kathi und Siegfried fackeln nicht lange und kurze Zeit später ist der Fisch zerlegt. Zwischenzeitlich haben Welle und Wind respektable Ausmaße angenommen und wir machen uns schnell ans Segelverkleinern. Kurz vor Sonnenuntergang steht nur noch ein handtuchgroßes Segel und wir schießen die Wellen hinunter. Die Wellen sind schneller als wir, überholen uns und regelmäßig brechen sie sich zwischen den Rümpfen. Dann rumpelt und rauscht es. Der Atlantik will unbedingt zeigen, dass nicht immer nur Flaute hier herrscht. Der Wind pfeift mittlerweile mit 30 kn von hinten. Die Wellen, die von hinten angerollt kommen, sind so groß, dass ich aus dem Cockpit nach oben gucken muss. Luna juckt das nicht groß, der Crew ist nicht ganz wohl bei dem Anblick. Ich bin nur froh, dass wir nicht gegen solche Berge anfahren müssen, das ist dann richtig unangenehm. Mittlerweile ist es zappenduster, der Mond lässt noch auf sich warten, das einzige was man gut erkennen kann ist, das Weiß der brechenden Wellen neben und hinter uns. Ich lege vorsichtshalber die Lifeline auch im Cockpit an. Kann ja nicht schaden. Wir müssen nur noch um ein Cap herum, um dann die kleine Strecke nach Agadir zu segeln. Nachdem wir das Cap gerundet haben, lässt der Wind immer mehr nach. Auch die Welle ist schnell wieder weg. Es ist mittlerweile 23.00 Wir haben noch 2-3 Stunden bis Agadir, Kathi schickt mich für eine halbe Stunde ins Bett, holt mich aber nach 15 Minuten wieder. Jetzt haben wir 20kn Wind von vorne. Klasse, wenn der Wind gegen eine alte Welle bläst. Das kennen die Surfer. Das gibt eine schöne steile Welle. Wir schmeißen beide Motoren an und legen die Hebel auf den Tisch. Nur weg von hier. Luna hoppelt durch ein Schlagloch nach dem anderen. Die Kinder pennen derweil seelenruhig weiter. Nur die Erwachsenen fragen sich, was das denn ist. Kurz vor Agadir ist auch dieser Spuk vorbei und wir machen um 3.30 neben der Hafendisco an der Tanke fest. Puh, was für ein Trip. Jonathans‘ Tribut an die Wiesn zu Hause. Heute sind wir alle etwas verstrahlt durch die Stadt gelaufen. Agadir ist jetzt nicht so der Hit. Trotzdem ein perfekter Absprung zu den Kanaren, die wir in den nächsten Tagen ansteuern werden. Noch mal 230 sm und dann sind wir in Lanzarote. Stay tuned!
Durchgedreht im Café
Schritt für Schritt kommen wir in Marokko an. Wir wollten gleich mal ein paar Dirham vom Geldautomaten ziehen, damit wir wieder flüssig sind. Die freundlichen Leute in der Marina haben uns den Weg zur Bank und zum Bankomat beschrieben aber gleich hinterher geschoben: „Wenn er denn geht“. Ich bin mit den drei Kindern gleich vorbeigelaufen und wie soll es anders sein. Der Bildschirm des Automat bleibt schwarz. Der freundliche Sicherheitsmann der Bank sagt entschuldigend: Out of Order und: Die Bank schließt gerade. Also nix Dirham.Glücklicherweise konnten wir dann ein paar Euros in der Marina tauschen. Ich hatte den Kids versprochen, dass wir einen Tee trinken gehen. Bewaffnet mit unseren Dirhams, sind wir im nächsten Café eingefallen. Marokkanischer Minztee ist ja hier das Nationalgetränk, der auch Whiskey Marokkos genannt wird. Der Tee wird in kleinen Blechkännchen serviert. Im Kännchen sind büschelweise Minze, etwas grüner Tee und ordentlich Zucker. Zur großen Freude der Kinder, wird der Tee aus einem Meter Höhe ins Glas gegossen (dürfen sie normalerweise nicht) und weil der Tee heiß ist, wird er geschlürft (dürfen sie normalerweise auch nicht). Also große Show für unsere Kinder. Was ich nicht einkalkuliert hatte, dass der Tee so stark ist. In den Kännchen war relativ viel grüner Tee, der ja ganz gut was an Teein (= Koffein) enthält. Dementsprechend voller Energie waren wir nach ein paar Gläsern. Als dann noch eine entzückte Marokkanerin sich auf alle 3 Kids mit Küsschen und Kopfstreicheln gestürzt hat, war die Teezeremonie perfekt. Um noch mehr Dirham unters Volk zu bringen, sind Juli und ich zur Bäckerei gelaufen. Auf dem Weg hin, dreht sich ein Marokkaner um und fragt auf Französisch, ob wir aus Deutschland kämen. Auf unser „Oui“ kam ein „Je t’aime Dutschlande“ und ein breites Lächeln zurück. Auf dem Weg zurück zum Boot hält vor uns ein Pickup voller Orangen. Juli hat große Augen gemacht und war gleich ganz interessiert. Prompt steigt der Fahrer aus, klettert auf die Ladefläche, sucht die schönsten Orangen aus und streckt sie Julia hin. Juli revanchiert sich mit einem gehauchten „Merci“ und einem Bussi für den netten Mann.Wie gesagt, wir kommen langsam an. Wir haben das Gefühl, dass unsere Kinder, ähnlich wie in Spanien, uns viele Türen öffnen.
