Unsere Nachtfahrt war ein voller Erfolg. Kathi hat um 5.30 ihre Nachtwache begonnen und ich habe in dem Moment geschlafen, als mein Kopf das Kopfkissen berührt hat. Um 8.00 hat mir Kathi dann „Delfine“ ins Ohr geflüstert. Danach war an Schlaf nicht mehr zu denken. Schnell raus aus den Federn. Was für ein Morgen! Die Sonne steht noch ganz tief und orange über dem Meer und davor schwimmt eine Schule Delfine. Nach und nach wachen unsere Kinder auf und kommen ins Cockpit. Wir frühstücken ausführlich und genießen die milde Morgensonne. Während des Frühstücks kommt die nächste Schule vorbei. Die Delfine springen aus dem Wasser und haben einen Mordsspaß. Wir sind ihnen ganz offensichtlich zu langweilig und sie kümmern sich nicht um uns Macht nichts kurze Zeit später kommt das nächste Rudel vorbei und schwimmt nah uns vorbei. Wir fahren quer durch das Feld der bestimmt 30 Delfine. Manche kommen zu uns und spielen vor unserem Bug, springen neben uns aus dem Wasser und schnaufen laut hörbar ein und aus. Die Kinder sind ganz aus dem Häuschen.Wir werden noch einige Schulen an diesem Morgen sehen. Felix beim „Sharp Look out“ wobei Felix eher nach Delifinen schaut Man beachte die Safety Lines 😉 Gegen Mittag hören wir im Funk einen PanPan Ruf. Darin werden alle Schiffe in der Umgebung aufgerufen einen „Sharp Look out“ zu halten nach einem vermissten kleinen Motorboot. Zu jeder vollen Stunde wird der Aufruf wiederholt. Als wir um 1600 in den Hafen einlaufen läuft schon eine größere Suchaktion. Wir haben auch mitgeschaut, konnten aber nichts sehen, außer einen im Wasser treibenden Hello-Kitty Luftballon, der im Fernglas wie eine Rettungsweste aussah. Hoffentlich haben die Rettungskräften das Boot und die Leute wohlbehalten gefunden. Die Marina in die wir eingelaufen sind, schreibt auf ihrer Website, dass sie eine der schönsten Marinas der Welt sind.Naja, wir sind da anderer Meinung. Diese Aussage soll wohl den leicht überzogenen Preis rechtfertigen. 4 Tage hier kosten so viel wie ein Monat Marina in Cartagena, welche aus unserer Sicht deutlich cooler ist. Spanischer Massentourismus ist nicht so unser Fall. Schwamm drüber: Wir haben heute Elli, Mario und den kleinen Antonius an Bord genommen. Die Kinder warten schon den ganzen Tag aufgeregt und flitzen kichernd übers Boot als die Drei endlich ankommen. Morgen werden wir nach Marbella segeln. Danach kommen die Ziele, auf die ich mich schon seit Wochen freue: Endlich wieder mal nach England fahren! Unsere Einkaufsliste für unsere Lieblings British Delights ist lang. Stay tuned! Rechts das neue Crewmitglied Antonius. Herzlich willkommen geheißen von seinem Cousin
Autor: Hannes
3000 Balkone vor unserer Haustür
Wir wachen heute morgen auf weil laute Durchsagen und Geräusche zu uns in die Kabine dringen. Also kurz die Augen reiben und schnell nach draußen schauen. Normalerweise blicken wir vom Boot in den Hafen, die Hügel rechts und links und etwas entfernt Boote der spanischen Marine. Heute ist von all dem nichts zu sehen, vor unserer Nase liegt ein riesiges Kreuzfahrtschiff und es läuft ein Zweites in den Hafen ein. Während unseres Frühstücks werden wir von Musik und lauten Durchsagen unterhalten: Kabine 328 benötigt einen Arzt, das Schiffspersonal wird zu einem Seenot Training gerufen, es werden verschiedene Stadttouren angeboten…. Die Stadt ist heute auch entsprechend voll. Am Nachmittag endet der ganze Spuk dann. Ein paarmal laut Hupen, schnell die englische Nationalhymne und dann legen beide Boote mit lauter Musik ab.
Auf dem tiefschwarzen Meer
Guten Morgen,Es ist 02.30. Kathi hat mich gerade mit den gähnenden Worten „Du bist dran.“ geweckt. Um 22.00 sind wir zu unserem nächsten Abschnitt aufgebrochen. Wir haben uns heute einen 83 Seemeilen langen Trip vorgenommen. Wenn es weiter so läuft, sind wir dann gegen Mittag in unserem Zielhafen in der Nähe von Malaga. Weiter so heißt: Der Motor brummt. Es war eigentlich ein schöner Wind vorhergesagt, so mit 10 Knoten von hinten. Hat sich als Zero Wind von nirgendwo herausgestellt. Also Motor an. 2 Liter die Stunde ist ein erträglicher Verbrauch.Auf der Fahrt nach Almerimar war fast Vollmond. Es war alles hell, das Meer war gut zu sehen. Jetzt – fast 2 Wochen später – ist vom Mond nichts zu sehen. Es ist zappenduster. Das Wasser ist schwarz. Wir können gerade so die Lichter der Küste noch sehen und die Leuchttürme. Ein paar Meilen neben uns, ziehen die Frachter und Containerschiffe ihre Bahnen. Es geht auf den Ausgang des Mittelmeers zu, daher ist ordentlich was los auf dem Meer. Wir sehen die Schiffe auf dem Radar als kleine Punkte oder Linien und in der Seekarte über deren Transponder. Berufsschiffe müssen diesen Transponder haben. Kriegsschiffe haben ihn nicht oder zumindest nicht an. Ein paar Meilen nach Almerimar haben wir plötzlich ein Licht am Horizont gesehen, das näher auf uns zu kam. Weder im Radar zu sehen noch ein Transponder Signal. Zu dem Licht am Horizont hat sich ein aufgeregt rot blinkendes Licht dazu gesellt, das mal recht und mal links von dem weißen Licht stand. Diese Konstellation kam auf einmal schnell auf uns zu. Schluck, erstmal Kurs geändert, bloß raus der Bahn. Das ganze ist dann in einer Meile (kurz zu sehen auf dem Radar) vorbei gezischt und war dann auf einmal wieder weg. Sehr strange. Mal abgesehen, von diesem unidentifizierten Objekt, lassen wir uns durch die leicht Dühnung schaukeln, bewundern die Milchstraße und trinken Tee. Die Kinder schlafen in unserem Bett aneinander gekuschelt und freuen sich auf den neuen Hafen. Am Samstag bekommen wir dann Besuch von Kathis Schwester. Da haben wir dann Full-Ship und freuen uns schon auf neue aufregende Ziele. Der Kompass wird erstmal weiter Weste anzeigen.05.30 Update: Der Mond hat das schwarze Meer verlassen. Eine kleine Sichel spendet etwas Licht. So, jetzt geh ich Kathi wecken und schlaf noch ein bissl
Beim Schmuddelkind der Karibik
Auf unserem Weg an der Antillenkette entlang nach Norden, fahren wir von Antigua nach St. Barts. Die Insel der Reichen macht es uns erstmal schwer hinzukommen. Der Wind bläst ordentlich und 2 Meter hoher Schwell von der Seite bescheren uns eine ungemütliche und nasse Nachtfahrt. Auf der Nachtfahrt kann es richtig kühl werden. Hier grüßt die Starkwindphase von den letzten Tagen. Morgens um 10 kommen wir dann gut durchgeschüttelt an und werfen den Anker im klaren Wasser. Wir fahren kurz rein in die Stadt aber irgendwie werden wir nicht warm mit dem Ort und der Insel. Ich bin noch so platt von der Nachtfahrt, dass ich auf der Parkbank in der prallen Mittagssonne im Sitzen einpenne. Wir beschließen, dass wir hier nicht heimisch werden, sondern das gute Wetter nutzen und weiter nach St. Martin fahren. 4 Stunden segeln. Wir gehen mit den Kids ins Bett und stellen uns den Wecker auf 3.30. Wir wollen zum Frühstück ankommen. Was für ein Unterschied zur Nachtfahrt davor. Angenehmer Wind und fast kein Schwell lassen uns pünktlich und entspannt zum Frühstück in St. Martin ankommen.St. Martin ist letzten September gleich von 2 Super-Hurrikanen überrollt worden. Irma und Maria. Marigot, die Hauptstadt von St Martin Auf der französischen Seite gehen die Aufräumarbeiten nur sehr langsam voran. Kaum ein Haus ist in Ordnung. Alles hat etwas Provisorisches. Schön geht anders. St. Martin war eine große Urlaubsdestination. Dem Massentourismus haben die beiden Damen Irma und Maria ein Riegel vorgeschoben. Die Strände bleiben leer. Der Flughafen ist immer noch nicht betretbar. Die Abfertigung findet in Zelten statt. Die Hotels liegen zerfetzt am Strand, die meisten Läden sind geschlossen. In der Mitte der Insel ist eine riesige Salzwasserlagune. Hier haben sich hunderte Schiffe verkrochen. Keines der Boote hat noch einen Mast, viele sind gesunken und liegen als Wracks herum. Die Werften und Marinas sind voller notdürftig geflickter Schiffe. Bagger zertrümmern Schiffe am Fließband, um Platz für Boote zu schaffen, die es sich lohnt zu reparieren. Über der Insel hängt eine dunkle Wolke. Die Stimmung schlägt sich auch auf uns nieder. Wir fühlen uns nicht wohl. Wir bleiben trotzdem: Wir hatten uns ein paar Wochen vor unserer Ankunft ein Paket auf die niederländische Seite schicken lassen. Nur bekommt es DHL leider nicht hin und schickt unser Paket in der Weltgeschichte herum – nur nicht zu uns. Nach 2 zähen Wochen des Wartens und Hoffens ist es immer noch nicht da und wir geben auf. Froh, endlich weiter zu fahren, segeln wir Abends bei Vollmond los zu den British Virgin Islands (BVIs). Felix hat es trotzdem gefallen. Der Flughafen hat es ihm schwer angetan. Hier fliegen die Flugzeuge super knapp über dem Strand ein. Wir haben das Gefühl, die Flieger anfassen zu können. Beim Start, steht man direkt hinter den Triebwerken. Wir haben die Wahl zwischen Zuschauen, wie der Sand ein paar hundert Meter aufs Meer geblasen wird oder von den Turbinen fönen lassen. Wir machen beides und haben einen riesen Spaß.
Wir sind nicht die einzigen Verrückten
Als wir unseren Freunden und Familien erzählt haben, dass wir vorhaben, mit unseren Kindern 2 Jahre segeln zu gehen, war das Feedback überwältigend positiv. Ein paar Stimmen gab es dennoch, die es etwas verrückt finden, mit kleinen Kindern segeln zu gehen. Als wir zum ersten Mal in die Szene der Langfahrtsegler reimgeschnuppert haben, ist uns klar geworden, dass auch andere Eltern davon träumen längere Zeit mit ihren Kindern segeln zu gehen und das auch umsetzen.So auch gestern. Plötzlich stand Aline und Steffen mit ihren 4 Kindern vorm Boot. Die beiden großen Kinder etwas älter als unsere „großen“ und die beiden kleinen ein paar Monate älter als Jonathan. Die Kids sind sofort zum Spielen abgetaucht und wir hatten ein bisschen Zeit zum Ratschen.Schnell wird klar, die Themen die Aline und Steffen beschäftigen, sind auch unsere. Ihre Route deckt sich mit unserer, hoffentlich sehen wir uns auch noch in anderen Häfen. Full House auf der Luna Passend dazu habe ich gestern etwas gelesen, was uns darin bestärkt hat, das wir das richtige tun. Deutschlands bekanntester Segler (ein Münchner, nur nebenbei ;-)) hat auf seiner Website eine Abteilung, in der er weit gereiste Fahrtensegler immer die gleichen 10 Fragen stellt. Das letzte Interview hat er mit einer Dame geführt, die weiß wovon sie spricht. Das Ehepaar war 47 als sie los gefahren und 85 als sie angekommen sind (haben wir jetzt nicht zwingend so vor ;-). Ein Satz ist bei mir hängen geblieben auf die Frage, was sie beim nächsten Mal anders machen würde: „Kinder, so man welche hat, mitnehmen, egal welchen Alters.“Machen wir! Wen das ganze Interview interessiert, findet es hier.
Auf nach Lateinamerika
Nach 2 Wochen auf den BVIs wollen wir weiter. Die BVIs sind wie ein riesiges Resort für amerikanische Charter Segler. Wir wollen noch ein bisschen echtes Leben sehen. Wir setzen Kurs auf die Dominikanische Republik. Ursprünglich wollten wir hier keinen Stop machen. Wir hören allerlei Geschichten, dass man beim Einklarieren bestechen soll, mit Wuchergebühren über den Tisch gezogen wird und die Passage zur Dom Rep höchst gefährlich sei. Wir bereiten uns ordentlich vor, warten auf gutes Wetter und fahren trotzdem. Nachdem wir Kuba schon schweren Herzens auslassen, wollen wir wenigstens noch ein bisschen Lateinamerika den Kindern zeigen.Die erste Bucht die wir anlaufen, heißt Samana. Wir fahren in diese riesige Bucht bei schönster Nachmittagssonne ein. Der Törn war entspannt und hat allen Spaß gemacht. Samana ist bekannt für seine Wale. Hier kommen im Winter hunderte Buckelwale zusammen und paaren sich. Wir mitten drin. Wir gucken uns beim Einfahren die Augen aus dem Kopf, können aber „nur“ Delfine sehen. Wir legen in einer Marina an, die zu einem Hotel gehört und fühlen uns gleich wohl. Wir werden von dem Küstenwache Commandante auf seiner Insel willkommen geheißen. Das Einklarieren passiert zügig, korrekt und ohne Bestechung. Alles freundlich und herzlich. Die Kinder nehmen sofort den Spielplatz in Beschlag. Letztes Mal Spielplatz war im November auf Teneriffa. Dementsprechend heiß sind die Kinder auf Rutsche, Schaukel und Co. Die Pools des Hotels stehen uns auch offen. Vor lauter Freude über so viel Luxus kündigt Felix an, ohne Schwimmhilfe schwimmen zu wollen. Prompt schwimmt er eine Bahn nach der anderen durch den Pool. Der Knoten ist geplatzt und er kann gar nicht genug vom Schwimmen ohne Hilfe bekommen.
VIDEO: LUNA IN DER KARIBIK
Um dem Vorurteil eines 2 jährige Dauerurlaubs weiteren Vorschub zu leisten, haben wir ein kleines Videos gemacht. Es zeigt, unser Lotterleben in voller Breite. So leben wir hier. Ist immer so. Jeden Tag. Ehrlich.
Wieder im Wasser aber noch in Cartagena
Kurzes Update: Wir sind sicher im Wasser gelandet und schlafen wieder in unserem schwimmenden Zuhause. Zur großen Freude unserer Kinder. Denn endlich sind wir wieder unter den vielen lustigen Marineros (Mitarbeiter der Marina) und Antonio und Yolanda sind auch da. Die Marineros sausen in Elektrokarts durch die Marina. Unsere Kinder fahren liebend gerne mit Paddeln in der Marina mit Antonios‘ neuem Seekayak
Buy 8 get 16
Jeden Morgen gehen wir den kurzen Weg zum Bäcker. Unseren Bäcker. Meistens gehe ich (Hannes) mit einem der Kinder. Blonde Kinder gibt’s hier nicht so viele. Umso mehr freut sich der Bäcker über Julias‘ und Felix‘ Besuch. Felix, Jonathan uns Hannes tapern zum Bäcker Die Freude beruht auf Gegenseite. In welcher Bäckerei bekommt man als Kind schon den Kopf gestreichelt, eine Bäckereiführung und eine Tüte mit Teig geschenkt? Wenn es keinen Teig gibt, ist immer eine Semmel drin. Bevor ich die Bestellung aufgeben kann, haben die Kinder schon eine in der Hand. Das Beste ist aber das Bestellen. Dank meines perfekten Spanisch (Este!) immer wieder nett. Ich bestelle meistens 8 Semmeln. Das habe ich erst einmal auch so dann bekommen. Da war ich ohne die Kinder beim Bäcker. Normalerweise gibt’s irgendwas zwischen 12 und 16 Semmeln. Bezahlen müssen wir aber nur die 8. Ist anscheinen die blonde Kinder Dreingabe :-).
